In dem Buch „Frauen zwischen Straße und Strafe“ von Petra Metzger und Christiane Niesel kommen Frauen zu Wort, die von ihrem Leben als Obdachlose und ihren Erfahrungen im und mit dem Gefängnis erzählen. Wie haben sie ihr Zuhause verloren? Warum waren sie inhaftiert? Wo finden sie Unterstützung? Welche Perspektiven und Hoffnungen haben sie?

Acht Frauen zwischen 23 und 45 Jahren schildern, wie sie nach ihrer Haftentlassung wohnungslos auf der Straße leben. Einige sind Mütter, aber keine hat ihre Kinder bei sich. Oft ist der Kontakt abgerissen. Manche hat ein bürgerlich geordnetes Leben geführt.

Das Buch handelt auch von den Hindernissen im Hilfesystem, fragwürdigem Haftaufenthalt sowie fehlende Resozialisierung und Entwicklungschancen. Es erzählt, warum es so schwer ist, aus dem Kreislauf von Haft und Wohnungslosigkeit auszubrechen. 

„Wenn Freiheit Obdachlosigkeit bedeutet.“

Untertitel von „Frauen zwischen Straße und Strafe“
Obdachlose in Schlafsack auf der Straße

Einleitung zum Buch von Petra Metzger

Jeden Tag liest und hört man, dass Wohnraum fehlt, vor allem bezahlbarer Wohnraum. Man kann es auch sehen, wenn man aufmerksam durch die Stadt geht, Menschen, die auf der Straße schlafen und betteln. Nicht nur ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht, zudem sind die Nicht-Sesshaften vielfältiger geworden. Längst sieht man nicht mehr nur vereinzelt Männer mit Bart und zerzausten Haaren, die früher als „Penner, „Stadtstreicher“ oder „Tippelbrüder“ bezeichnet wurden, oder ausgerissene Jugendliche und Punks. Zwar dominieren Männer immer noch die Straßenszene, doch sieht man auch Flaschensammlerinnen mit Säcken voller Leergut und Frauen, die sich von weggeworfenen Fastfoodresten ernähren. Andere führen ihre Habseligkeiten in Rollkoffern oder Einkaufswagen mit sich, einige betteln still am Straßenrand, Abhängige lagern mit ihren Schlafsäcken in Geschäftseingängen und schnorren oder schlafen tagsüber völlig ungeschützt auf Gehwegen. Männer, Frauen und Kinder aus Osteuropa sind allein oder im Familienverbund mit Decken und zusammengerollten Matratzen in Einkaufsstraßen oder auf Spielplätzen anzutreffen. 

„Heimat ist dort, wo es nicht egal ist, dass es mich gibt“, dieses Zitat stammt von dem Sozialpsychologen Harald Welzer. Nirgendwo hingehören, heimatlos und damit buchstäblich egal zu sein, das ist die grundlegende Lebenserfahrung all der oben genannten Menschen.

Anliegen dieses Buches ist die Schilderung der Lebensumstände vor allem von Frauen, die sich zwischen Obdachlosigkeit und Kriminalität bzw. Kriminalisierung bewegen. Ihre Vergehen stehen in der Regel in Zusammenhang mit Suchterkrankungen: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (BTM), Ladendiebstahl und sehr oft Leistungserschleichung – meist Fahren ohne Ticket.

Fotos von Petra Metzger